Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. (Matthäus 3, 2)

 

Ein Mann sitzt zusammen mit anderen Reisenden in einem Zugabteil. Jedes Mal, wenn der Zug in einen Bahnhof einfährt, stöhnt er auf und jammert vor sich hin. Schließlich gerät er fast in Panik. Die anderen fragen ihn: »Was ist denn los? Warum jammern und stöhnen Sie dauernd?« Der Mann antwortet: »Ich muss doch jammern, wenn ich bei jedem Bahnhof merke, dass ich in die falsche Richtung fahre!«

Sitze ich im richtigen Zug meines Lebens? Lebe ich eigentlich selbst oder werde ich gelebt? Ist das, was ich tue, auch das, was ich will und soll und darf? Führe ich ein Leben, das übereinstimmt mit meinen Werten, mit meiner Grundhaltung, mit meiner Überzeugung? Umkehren! Das sagt sich so leicht. Veränderung kostet so viel Mut. Was mache ich, wenn die Angst größer ist als der Mut? Was mache ich, wenn das Ziel dann wieder nicht stimmt? Umkehren und neu ansetzen, einen anderen Weg suchen, das ist so unglaublich schwer und doch so dringend notwendig.

Es klingt verheißungsvoll: Das Himmelreich ist nahe! Aber wo finde ich es, mögen Sie fragen? Was ich sehe, sieht nicht nach Himmelreich aus. Was muss ich eingeben in mein inneres GPS? UMKEHR? "Ich verstehe Himmelreich als ein Bild für sinnerfülltes Leben. Ohne Gott ist sinnvolles Leben für mich nicht denkbar. Ohne Umkehr kein Himmelreich," sagte ein Freund auf die Frage, wie er Himmelreich versteht. Während ich noch darüber nachdenke, ob das stimmt und ob ich in die falsche Richtung fahre, höre ich die "Bahnhofsdurchsage": Gott ist unterwegs zu mir! Er hat sich längst aufgemacht zu uns allen. Gott kommt! Und was sehe ich? Einen Stall, eine Krippe und ein Kind. Gott kommt zu uns, in unsere heillose Welt und will Heil bringen, das Himmelreich. Kann man das wirklich verstehen? Gott ist immer noch unterwegs zu uns. Halten Sie Ausschau, leben Sie nicht so schnell, damit Sie IHN nicht übersehen. Stall, Krippe, Kind - das können Anhalt(e)spunkte sein. Vielleicht sitzt ER ja schon mit in Ihrem Abteil.

Ihr Pfarrer Jeremias Treu