Auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.
Römer 8,21
Albert Schweitzer erinnert sich an ein Erlebnis aus seiner Kindheit. Von einem anderen Dorfbuben angestiftet, ist er mit ausgezogen, Vögel zu schießen. In dem Augenblick aber, als er die Schleuder spannt, beginnen die Kirchenglocken zu läuten, und er wirft sie weg, scheucht die Vögel fort und flieht nach Hause. „Immer wieder gedenke ich ergriffen und dankbar der Glocken, die damals in den Sonnenschein hinausklangen und mir das Gebot ‚Du sollst nicht töten’ ins Herz geläutet haben. Langsam entstand in mir die unerschütterliche Überzeugung, dass wir Tod und Leid über ein anderes Wesen nur bringen dürfen, wenn eine unentrinnbare Notwendigkeit dafür vorliegt, und dass wir alle das Grausige empfinden müssen, das darin liegt, dass wir aus Gedankenlosigkeit Leiden machen und töten.“
Gottes gute Schöpfung ist in einer Weise bedroht, dass die Sorge wächst, wie und wovon unsere Kinder und Enkel in Zukunft leben sollen. Was müssen wir ändern an unserem Lebensstil. Die Dioxin-Skandale mit Futtermitteln in Deutschland zeigen ganz deutlich: Wir können so nicht weitermachen. Wir tragen Verantwortung für Gottes gute Schöpfung, und diese Verantwortung schließt ein Handeln ein, das nicht auf Kosten anderer geht, nicht auf Kosten von “Blümlein” und “Tierlein” wie es in einem Kindergebet heißt. Ist es für uns schon zu spät?
Als Christen glauben wir, dass es die Gnade Gottes ist, der wir uns verdanken. Der Glaube an den Schöpfergott hält in uns die Verheißung wach, dass das Schicksal der ganzen Schöpfung nicht auf Tod und Verderben hinausläuft, sondern auf Freiheit und Vollendung: Die Erde wird ein herrlicher, blühender Garten sein, in dem alles von Gottes väterlicher Güte her lebt. Ein naiver Kinderglaube? Eine folgenlose Utopie? Nein, es ist die Zukunft, für die es sich lohnt, zu beten und heute damit zu beginnen. Albert Schweitzer hat es so formuliert: „Ehrfurcht vor dem Leben bedeutet: Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ Dafür ist es nie zu spät. Fangen wir heute an diese Ehrfurcht zu leben.
Ihr Pfarrer Jeremias Treu
Deutschsprachige
Evangelische
Gemeinde
Barcelona