Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.   (Genesis 1,27)

 

 

Liebe Leserinnen und Leser, haben Sie schon mal etwas geschaffen, was antwortet? Schon mal etwas konstruiert, was sich überraschend wehrt? „Kinder“ gilt als Antwort nicht, da geben wir nur weiter, was Gott in uns hineingelegt hat. „Gemacht“ werden die nicht. Sie sind ein Geschenk. Und sie wachsen. Haben sie schon mal was erfunden, was sündigt? Schon mal etwas gefertigt, das atmet?

„Sprechende Marionetten“, das würden wir auch noch hinkriegen, elektronisch animierte Figuren, echten Menschen täuschend ähnlich: Das brächten auch wir noch zustande. Aber ein Wesen, das uns anlacht, auslacht, austrickst, das mit uns redet, uns vertraut und widersteht – eigentlich kann man das Wunder nicht begreifen, dass Gott uns geschaffen hat. Das nötigt immer wieder Respekt ab und lässt staunen, dass Gott Wesen erschaffen hat, die ihm gegenüber sind. Wir sind seine Geschöpfe und doch ihm gegenüber! Von ihm geschaffen – und selbstständig.

In dem, was wir Menschen produzieren, reproduzieren wir letztlich nur uns selbst. Menschen schaffen Menschenwerke. Und dann das: Gott schafft etwas, was nicht Gott ist, auch nicht göttlich, sondern Mensch. Ob ER wohl einen Menschen sieht, wenn er in den großen himmlischen Spiegel schaut? Wir sind uns in einer Tiefe verwandt, die wir nicht durchblicken, allenfalls ahnen. Einen schönen Ausdruck dafür finden wir beim Prediger Salomo: „Gott hat die Ewigkeit in der Menschen Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.“ (Prediger 3,11) Letztlich bleiben Gott und wir Menschen uns ein Geheimnis. Aber eines Tages werden wir IHM gegenübertreten. Bis dahin bleibt uns Zeit zu staunen über das Geheimnis Gottes. Ob wir ihn auch sehen, wenn wir selbst in den Spiegel sehen? Schauen Sie gleich mal in den Spiegel! 

Ihr Pfarrer Jeremias Treu