Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe; denn von ihm kommt meine Hoffnung. Psalm 62,6

 

„Kopf hoch“, „heute kann man doch so viel machen“, „das wird schon wieder“.

„Ich kann sie nicht mehr hören, diese gut gemeinten Ratschläge. Sie sollen mich doch alle in Ruhe lassen. Der Feind steht vor meiner Tür. Das ist Krieg und ich kann mich nicht wehren. Der Feind ist stärker als ich. Ich habe keine Kraft mehr. Er bedrängt mich. Angst breitet sich aus in mir. Gleich wird er kommen. Ich bin zu schwach. Wer kann mir helfen? Keiner!“, so schreibt ein Mann, nach dem er die Diagnose schwarz auf weiß hat. Einige Monate später schreibt er einen Brief. „Ich hätte nie gedacht, dass mir das passieren kann. Meine Verzweiflung kannte keine Grenzen. Ich weiß nicht wie viele Tage, oder Monate ich noch zu leben habe. Es gab Stunden, wo kein Mensch mir helfen konnte. Es gab kein Wort des Trostes, das mich erreicht hätte, keine Geste der Zuwendung, die ich nicht falsch verstanden hätte. Aber da gab es dieses eine Psalmwort. Wie ein einziger Lichtstrahl traf es meine Finsternis. Ich hatte das Gefühl, der das schreibt kennt das auch, diese Unruhe, diese Angst. Ich habe es immer und immer wieder gelesen. Ich habe ihn vielleicht 100 Mal aufgeschrieben. Es war eine andere Art des Gebets, so eine Mischung aus Verzweiflung und Hoffnung, Angst und Vertrauen. Es hat mir geholfen. Das Psalmwort und die Stille in meinem Garten waren mein kleiner Gottesdienst. In der Stille ist meine Angst kleiner geworden. Meine Seele ist ein wenig zur Ruhe gekommen. Ich habe mir vorgestellt, dass Gottes Hand für mich ausgespannt ist und sie mich auffängt.“ Ruhe finden für die aufgewühlte Seele, für die verängstigte Seele. Mich hat dieser Brief bewegt. Dieses Vertrauen auf Gott, diesen Glauben, dass man nicht verloren gehen kann und diese Erfahrung, dass man selbst in schwersten Situationen in Gebet und Stille Kraft und Zuversicht erfährt, wünsche ich mir für alle, deren Seele nicht zur Ruhe kommt, die Angst haben, vor dem, was kommt. Mögen Sie glauben können, wie es in dem Choral heißt, „Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand, die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt.“

Ihr Pfarrer Jeremias Treu