Es war im Jahre 1983. Ich saß in einem Zug nach Stralsund, als ein Bahnpolizist in meinem Abteil vor mir stehen blieb, auf den Aufnäher auf meinem Parka zeigt und sehr bestimmend sagte: “Abmachen und zwar sofort.“ Was diesen DDR-Wachmann störte, war ein Bibelvers, der auch bei Jesaja vorkommt: Gott spricht Recht im Streit der Völker, er weist viele Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. (Jesaja 2, 4) Ich weigerte mich und “durfte” ihm deshalb folgen. Weiter fuhr ich dann Stunden später mit einem Loch an der Stelle des Aufnähers. Ich habe selten erlebt, dass ein Bibelwort eine solche Kraft besitzt. In der Zeit des Kalten Krieges gaben diese Prophetenworte unserer Ohnmacht Stimme und Bilder. An ihnen konnten wir uns festhalten. Sie ließen Christen und Nichtchristen zusammenstehen. Die Waffen von damals wurden in Mitteleuropa nicht eingesetzt. Gott sei Dank! Was wäre wohl passiert, wenn es in den 80er Jahren keine Friedensbewegung in Ost und West gegeben hätte? Ich bin davon überzeugt, dass unsere Welt unsere Gebete für den Frieden braucht und auch unser mutiges und phantasievolles Handeln. Wo anfangen in einer Welt, die vor Waffen strotzt? Wo anfangen, in einer Welt, die immer unübersichtlicher wird? „Wenn wir jeder bei uns selbst anfangen, uns zu bessern, und wenn wir uns zuerst selbst bessern, jeder von uns, dann kommen wir mit Gottes Hilfe zum inneren und äußeren Frieden." sagte Konrad Adenauer in einer Erklärung zur Pfingst-Kundgebung der moralischen Aufrüstung am 28. Mai 1950. Die Vision der Propheten kann uns auch heute ermutigen, da wo wir leben und arbeiten uns mutig für den Frieden einzusetzen. Fangen wir heute schon bei uns an, Schwerter zu Pflugscharen zu schmieden. Wie soll das gehen? Vielleicht hören wir einfach auf den Rat Jesu, der sagt: „Liebet eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.“

Ihr Pfarrer Jeremias Treu