Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan und niemand kann sie zuschließen. Offenbarung 3,8
Ich bin einmal versehentlich in meiner Zeit als Gefängnisseelsorger in einem Haftraum mit einem Gefangenen eingeschlossen worden. Das war ein seltsames Gefühl. Eine verschlossene Tür, die nicht ich, sondern nur jemand von außen öffnen kann. Der Gefangene hat in meinen Augen meine Angst gesehen und fast fürsorglich gesagt: „Haben Sie keine Angst, ich tue Ihnen nichts und die holen Sie gleich wieder raus. Wenn sie diesen Klingelknopf drücken, dann kommt jemand.“ Ich habe im Laufe meines Lebens viele Türen kennengelernt. Die sichtbaren Türen sind ja in der Regel relativ einfach zu bedienen. Für manche hat man einen Schlüssel und kann sie öffnen. Andere Türen müssen uns geöffnet werden. Bleiben sie verschlossen, muss man warten oder kehrt um. Bei den unsichtbaren Türen ist das weitaus schwieriger. Es ist ein großes Glück, wenn es uns Menschen gelingt, einander die innere Tür ein Leben lang offen zu halten. Unsere Erfahrungen sind da ganz unterschiedlich. Manche Tür sollte für immer offen bleiben und wurde dann mit einer Wucht zugeschlagen, dass das Erschrecken tief sitzt. Bei manchen Menschen öffnen wir unsere innere Tür nicht aus Angst, aus Vorsicht oder aus Unsicherheit. Unsere inneren Türen zu öffnen, darum können wir uns bemühen. Aber garantieren können wir nicht, dass es gelingt. Bei Gott soll es anders sein, verspricht uns die Bibel. Gottes Versprechen hält über ein Leben hinaus. Auch, wenn ich mich verändere, seine Zusage bleibt: „Meine Tür ist und bleibt offen für dich! Niemand kann sie zuschließen.“ Ich denke an den Knopf im Haftraum. Die Tür zu Gott ist aufgetan, egal wo ich bin, wie ich mich fühle, was ich angerichtet habe. Das ist eine gute Grundlage für mein Leben: Ich bin willkommen in Gottes Wohnung. Es lohnt sich, Ihn zu suchen. Ihr Pfarrer Jeremias Treu
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