Eine wundervolle Blüte zum Essen - die Artischocke
Die Artischocke ist eine alte Nutzpflanze, die im Mittelmeerraum, auf den Kanarischen Inseln und in Südamerika beheimatet ist.
Bei der Artischocke handelt es sich um eine bis zu zwei Meter hohe, distelartige, ausdauernde Kulturpflanze. Verzehrt werden die Blütenköpfe, die sich erst im zweiten Jahr bilden. Es kommen die fleischigen Blütenböden und die Hüllenkelchblätter in den Kochtopf. Zu Heil-zwecken werden die Extrakte aus Artischocken aufgrund der Inhaltsstoffe dieser wertvollen Pflanze oft zu Medikamenten verarbeitet. Dazu werden die getrockneten Blätter und das Kraut verwendet. Artischockenhaltige Tees werden aus den Wurzeln hergestellt. Bereits im Altertum galt sie mit ihren Blättern und ihrer Wurzel als Heilpflanze bei Leber-, Gallen- und Nierenproblemen und war bekannt als Aphrodisiakum. Goethe ließ sie sich extra aus seiner Heimatstadt Frankfurt bringen, weil dort das Klima milder war.
Er schrieb an eine Freundin:
Gegen Früchte aller Arten
Saftig-süßen, schmacklich-zarten
aus gepflegtestem Revier
send ich starre Disteln dir
Diese Distel, laß sie gelten
(Ich vermag sie nicht zu schelten
Die, was uns am besten schmeckt
in dem Busen tief versteckt).
Die schöne Artischockenblüte enthältB-Vitamine, Vitamin E und Pro-Vitamin A genauso wie die Mineralstoffe Eisen, Kalzium, Magnesium und Phosphor. Die enthaltenen Flavonoide helfen unserem Körper bei der Bekämpfung freier Radikale und sind somit ein Zellschutz. Zusammen mit den Chinasäurederivaten und dem Bitterstoff Cynarin steigern sie die Gallenabsonderung wirken so verdauungsfördernd. Sie schützen die Le-
berzellen wegen ihrer entgiftenden, antioxidativen und regenerations-fördernden Eigenschaften. Der Abtransport der Abbau-produkte wird beschleunigt, was gerade nach einem fettigen Essen mit 2-3 Gläschen Wein ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist. Darum hilft die Artischocke auch bei Verdauungsproblemen, Blähungen, Appetitlosigkeit und Völlegefühl. Die Artischocke hemmt in der Leber ein Enzym zur Bildung von Cholesterin und reguliert damit die Blutfettwerte, womit das Risiko eines Herzinfarktes oder Schlaganfalles gesenkt wird.
Des Weiteren wirkt die Artischocke auch harntreibend.
Vorbeugend kann man dem Kochwasser ein Stück Stiel beigeben und den Sud über den Tag verteilt trinken. In seltenen Fällen können artischockenhaltige Arzneimittel leicht abführend wirken.
Vorsicht ist geboten bei Menschen, die gegen Korbblütler wie Kamille, Sonnenhut oder Ringelblume allergisch sind, diese reagieren aber vor allem auf Kontakt beim Verarbeiten.
Durch die Steigerung des Gallenflusses kann es bei Personen mit Gallensteinen zu Koliken kommen. Bei der gleichzeitigen Einnahme von blutgerinnungshemmenden Mitteln vom Cumarintyp sollte eine regelmäßige Kontrolle durch einen Arzt erfolgen, da die Artischocke deren Wirkung beeinflussen kann.
Ein kleines Rezept:
Vor der Zubereitung muss der faserige Stiel entfernt werden, den man mit einem scharfen Messer abschneidet. Danach die äußeren Blätter entfernen und die Spitze der Artischocke mit einem Messer abschneiden, so dass nur das Herz übrigbleibt. Die Artischocke dann vierteln und mit Hilfe eines Messers oder Löffels den holzigen Teil entfernen. Die Viertel in Streifen schneiden, mit Mehl bestäuben und in Öl frittieren, bis sie kross sind. Dazu passt eine leichte pikante Salsa.
Und nun flugs in den Gemüseladen gegangen und nach der Wunderblüte gesucht, die Goethe beschrieb.
Sigrid Treu
Deutschsprachige
Evangelische
Gemeinde
Barcelona