Die Sonne, die wir brauchen

 

Sommer – das Licht und die Wärme lassen viele Menschen aufleben. Ob zu Hause oder im Urlaub, die Sonne macht uns lebendig und lässt uns das Leben genießen. So kommt es ja auch in vielen Liedern zum Ausdruck, wie zum Beispiel in: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“. Der Sommer und die Sonne laden uns ein, uns an der Natur, an Gottes guter Schöpfung zu erfreuen. Das Leben wird leichter, das Gemüt kann sich stärken und aufhellen.

So ging es auch dem Maler Vincent van Gogh, darum hat er viele Bilder mit Sonnenblumen gemalt. Sehr bekannt ist das Bild mit den zwölf Sonnenblumen. Van Gogh hat es eigentlich für sich selbst gemalt: Im Sommer 1888 plante er, mit seinem Kollegen Paul Gaugin in Arles in Südfrankreich eine Künstlerkolonie zu gründen, und in einem Brief schrieb er: „In der Hoffnung, dass ich mit Gauguin in unserem eigenen Atelier wohnen werde, will ich eine Reihe von Bildern dafür anfertigen. Weiter nichts als lauter große Sonnenblumen.“

 

Das war kurze Zeit, bevor van Gogh 1890 starb, wahrscheinlich hat er sich selbst das Leben genommen. Sein ganzes Leben hindurch hatte er ja mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, insbesondere auch, weil seine Bilder damals auf viel Kritik stießen und er nur wenig Geld verdiente. Mit den Sonnenblumen malte er selbst gegen seine Schwermut an, denn die Sonnenblumen verkörpern Sonne und Licht, Freude und Leichtigkeit des Lebens. Daran wollte van Gogh sich selbst in seinem Atelier orientieren können. In einem Brief an seine Schwester schrieb er: „Wir haben Heiterkeit nötig und Glück, Hoffnung und Liebe. Je hässlicher, älter, boshafter, kränker, ärmer ich werde, umso mehr suche ich die Scharte dadurch auszuwetzen, dass ich meine Farben leuchtend, wohl ausgewogen, strahlend mache.“

 

Das können wir noch heute spüren. Das Bild beeindruckt vor allem durch seine strahlende Farbigkeit. Der hellblau kühle Hintergrund lässt das leuchtende Goldgelb und Braun der Sonnenblumen noch mehr strahlen. Die großen Blüten in der Vase bringen das Licht der Sonne in den Raum und können auch in die Dunkelheit des eigenen Lebens leuchten.

 

So hat das schlichte Bild der Sonnenblumen etwas Ermunterndes und Belebendes – für den Maler selbst, aber auch für uns als Betrachter.

 

Es ist für mich eine Einladung, den Sommer nicht außen vor zu lassen, sondern ihn hereinzulassen in mein Leben. Ich kann mich anstecken lassen vom Licht und von den Farben des Sommers, ich kann die Sonne in mein Herz scheinen zu lassen. Ich kann die Freude am Leben wieder entdecken und selbst so hell werden wie die Sonnenblume.

 

So stehen die Blumen in diesem Bild von Vincent van Gogh für die Sonne, für das Licht und die Lebensfreude. Doch zugleich werden die Blumen zu einem Gleichnis für uns Menschen, für das menschliche Leben. Wenn man die Blumen im Einzelnen betrachtet, kann man eine interessante Bewegung wahrnehmen: Von rechts oben nach links unten wird eine Entwicklung dargestellt:

 

Die Sonnenblumen rechts oben wirken frisch und kraftvoll, und je weiter der Blick nach links unten geht, desto älter, schwächer und welker erscheinen die Blumen.

 

Ich weiß nicht, ob van Gogh das so beabsichtigt hat, aber man könnte in den Sonnenblumen auch verschiedene Phasen des menschlichen Lebens wiederfinden. Jede Blume hat ihren Platz in der Vase und trägt zum runden Gesamtbild bei, so hat auch jede Phase unseres Lebens ihren eigenen Wert.

 

Mich erinnert das an eine besondere Eigenschaft der Sonnenblume: Die Blüten richten sich immer nach der Sonne aus. Im Laufe des Tages wandert die Blüte mit der Sonne mit.

 

Tournesol heißt die Sonnenblume darum im Französischen, Girasole im Italienischen und Girasol im Spanischen. Das heißt, sie ist die Blume, die sich zur Sonne dreht. So könnte es wohl gelingen, dass unser Leben hell und fröhlich sein kann, wenn auch wir uns der Sonne zuwenden. Ein Sprichwort lautet: Wende dich der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

 

Damit ist freilich mehr gemeint als die Sonne, die uns den Sommer schön und hell macht. „Gott der Herr ist Sonne und Schild“, heißt es in Psalm 84,12. Gott ist die Sonne unseres Lebens, er ist es eigentlich, der unser Leben hell machen will.

 

Er will uns befreien aus unseren Dunkelheiten und unserer Schwermut. Wenn wir uns nach ihm ausrichten, können wir die Schatten hinter uns lassen und selbst hell werden wie die Sonnenblumen.

 

Die Blume rechts unten auf dem Bild lässt erkennen, wie selbst eine geknickte oder herabhängende Blüte sich wieder nach der Sonne ausrichtet. So wie es auch in unserem Leben nicht ausbleibt, dass es Brüche und schwere Phasen gibt, die wir überwinden, indem wir uns Gott zuwenden.

 

Doch wenn wir uns nach dem Licht des Lebens ausrichten, kann Gottes Sonne dann auch unser Leben gut werden lassen. „Ich bin das Licht der Welt“, sagt Jesus, „wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Johannes 8,12)

 

Zu solchem Leben im Licht kann uns die Betrachtung d Sonnenblumen anstiften. Die Sonne und der Sommer lassen uns erfahren, wie Gottes Liebe uns leben lassen will. Darum wollen wir Gott preisen und die Sonne und den Sommer genießen.

 

Ihr Pfarrer Holger Lübs

 

Geistliches Wort august- november


Monatsspruch August:

Gottes Hilfe habe ich erfahrenbis zum heutigen tag und stehe nun hier und bin sein zeuge bei groß und klein.

apostelgeschichte 26,22

 

Monatsspruch September:

und siehe, es sind letzte, die werden die ersten sein, und sind erste, die werden die letzten sein.

lukas 13,30

 

monatsspruch oktober:

es wird freude sein vor den engeln gottes über einen sünder, der buße tut.

lukas 15,10

 

monatsspruch november:

gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr gott sein und sie sollen mein volk sein.

hesekiel 37,27